Naturismus & Freikörperkultur (FKK)


FKK, Nudismus und Naturismus einfach erklärt

FKK ist die Abkürzung für Freikörperkultur.

In dem Zusammenhang fallen auch immer wieder Begriffe wie Nudismus und Naturismus. Was das genau bedeutet und warum es hier so oft zu Missverständnissen kommt, zeigen wir Euch in diesem Artikel.

 

Im weltweiten Vergleich sind die Deutschen Vorreiter im Nacktbaden! Das bestätigte eine repräsentative Studie des Online-Reisebüros „Expedia.de” 2014. Dennoch ist es für viele Menschen die Vorstellung, nackt schwimmen zu gehen, auch heutzutage noch immer etwas befremdlich. Schwieriger fällt das Verständnis dann, wenn es darum geht, die Nacktheit nicht nur alleine, sondern auch in der Gemeinschaft und bei verschiedenen Aktivitäten ausleben zu wollen, z.B. beim Sport. Diese Reaktion lässt sich vor allem mit den Vorurteilen erklären, die heutzutage immer noch in Verbindung mit FKK stehen.

 

Vorurteile und Missverständnisse in Bezug auf FKK

Nacktbaden in der Ostsee.
Nacktbaden in der Ostsee.

Das wohl größte Vorurteil, mit dem die FKK zu kämpfen hat, ist die Annahme, dass das Nacktsein immer etwas mit Sexualität, mit sexuellen Handlungen und Hintergründen zu tun hat. Ganz im Gegenteil aber wird in vielen FKK-Anlagen und -Vereinen stets großen Wert auf ein harmonisches Miteinander und Gemeinschaft gelegt, sexuelle Handlungen sind jedoch streng untersagt! Dieses Vorurteil beruht meist also auf fehlendem Wissen und fehlender Beschäftigung mit FKK.

 

Zudem wird es sicherlich auch dadurch gefördert, dass der Begriff „FKK“ häufig von Erotikdiensten und Erotikseiten zu Werbezwecken missbraucht wird. Viele Erotikanbieter nutzen den Begriff, um zum Beispiel ihre Erotik-Clubs, interessanter oder verlockender anzupreisen. So finden sich im Internet beispielsweise zahlreiche Erotik Clubs mit der Bezeichnung „FKK Club“, was zwangsläufig zu einer Verbindung von FKK und Sexualität führen muss.

 

Viele Menschen glauben zudem, dass Menschen, die gerne nackt sind, sich gleichzeitig auch gerne entblößen und sich anderen zeigen – dass sie also zum Exhibitionismus neigen. Auch dieses Vorurteil beruht auf mangelndem Wissen. Denn die Lust des Exhibitionisten besteht vor allem an den schockierten Reaktionen der Personen, wenn er sich vor ihnen entblößt. Da bei der FKK in der Regel alle Personen nackt sind und jeder damit rechnet, nackte Menschen zu sehen, fällt dieser (für den Exhibitionisten wichtige) Punkt bei der FKK weg!

 

FKK bedeutet nicht einfach nur, nackt zu sein

Auf einer FKK-Schlauchbootfahrt.
Auf einer FKK-Schlauchbootfahrt.

 

Die Freikörperkultur wird häufig mit den Begriffen Nudismus und Naturismus gleichgesetzt. Hier gibt es kleine, aber feine Unterschiede, die wir Euch im Folgenden erklären möchten.

 

Nudismus – Nacktheit als Lebensweise

Der Begriff Nudismus stammt von dem lateinischen Wort „nudus“, deutsch „nackt“. Nudisten sind also einfach Menschen, die gerne nackt sind. Die Nudisten leben ihre Nacktheit gerne zu Hause als auch in der Öffentlichkeit aus. Dabei geht es ihnen hauptsächlich darum, nackt zu sein, sich nackt und frei zu fühlen. Sie verbinden mit der Nacktheit häufig ein Gefühl von Freiheit oder den Wunsch, konventionellen und gesellschaftlichen Zwängen zu umgehen.

 

Naturismus – das Leben im Einklang mit der Natur

Fußball am FKK-Strand von Prerow.
Fußball am FKK-Strand von Prerow.

Das Wort Naturisten beinhaltet die „Natur“. Ziel dieser Lebensart ist also das Leben in Harmonie mit der Natur, was durch einen bewussten Umgang mit der Natur erreicht werden kann.

 

Das Nacktsein ist hierbei eher nebensächlich und rückt in den Hintergrund. Kleidung wird vielmehr als für einen wirklich sinnlichen und bewussten, „echten“ Umgang und Kontakt mit der Natur störenden Faktor begriffen. Nacktsein erfolgt hier nicht aus der Lust am Nacktsein (wie bei den Nudisten), sondern um besser im Einklang mit der Natur leben zu können, die Natur besser zu spüren und eine Harmonie zwischen Körper und Natur zu fördern.

 

Freikörperkultur – Leben als Teil der Gemeinschaft

Bei der Freikörperkultur (FKK) geht es ähnlich wie beim Naturismus um das Leben im Einklang mit der Natur. Im Gegensatz zum Naturismus steht beim FKK aber die Gemeinschaft im Vordergrund. Es geht um das gemeinsame und menschliche, um das „echte“ Erleben der Natur und des Miteinanders. FKK möchte echte Gemeinschaft schaffen und ein Gemeinschaftsgefühl der Menschen fördern. Aus diesem Grund sind auch viele FKKler in Vereinen organisiert, wo sie regelmäßig zusammentreffen, Erlebnisse teilen und Sport machen. Man möchte den gesellschaftlichen Zwängen und dem Prestige-Charakter entgehen, der durch Kleidung gefördert wird. Die Nacktheit schafft eine engere Verbindung, eine Gleichheit und stärkt die Toleranz. Sie dient vor allem der Förderung des Gemeinschaftsgefühls.

 

Es lässt sich also festhalten, dass die drei Begriffe, die häufig synonym verwendet werden, doch eine unterschiedliche Bedeutung haben. Sicherlich gibt es hier deutliche Überschneidungen und eine klare Abgrenzung ist nur in der Theorie möglich. Eine Zuordnung zu den Gruppen ist daher auch nur in der Theorie möglich.

 


Naturismus & Pubertät


mit freundlicher Genehmigung von:

Text-Copyright © by Helmut Schultze

 


Das Unfertigkeits-Syndrom

Mit der beginnenden Pubertät haben die Kinder sehr viel mit sich selbst zu tun: ihr Körper verändert sich, der Hormonhaushalt wird gründlich umgestellt, und die psychische Verfassung ist entsprechend instabil, es rumort in ihnen. In dieser Zeit kapseln sich viele Kinder ab, und selbst wenn sie bis dahin nackten Umgang in der Familie oder am Naturisten-Strand gewohnt waren kommt es vor, dass sie plötzlich "Nacktangst" bekommen und sich selbst gegenüber ihren Eltern oder Geschwistern verstecken. Die Fotografin Sally Mann hat dieses Phänomen in einem Foto ihres Sohnes konzentriert:

Copyright: Sally Mann
Copyright: Sally Mann

Das letzte Mal, dass Emmet sich nackt fotografieren ließ.

 

Foto-Copyright:

Sally Mann, "Immediate Family"

Der Anlass für diese meist plötzlich auftretende »Nacktangst« ist in erster Linie der Ausdruck einer tiefen Unsicherheit, wie wohl die Umwelt auf die sichtbar werdenden Veränderungen reagieren mag: Die ersten Schamhaare, die recht plötzlich wachsende Penisgröße bei Jungen, die oft asymmetrisch wachsenden Brüste bei Mädchen - all das vermittelt das Gefühl, noch »nicht fertig« zu sein, und unfertig zeigt man sich nicht gern. Bevor man sich mit möglichen Reaktionen anderer auseinandersetzen mag, muss man auch erst einmal selbst die biologischen und emotionalen Veränderungen an sich akzeptieren und verarbeiten.

 

Jugendliche, die in dieser Phase auch am Naturistenstrand Badekleidung tragen, werden deshalb toleriert, wenn auch nicht besonders gern. Textilträger bleiben halt immer Fremdkörper am Naturistenstrand und »Störer« der nackten Idylle, unabhängig vom Alter. Dabei ist die Praxis, dort Nackten jeden Alters (auch ihres eigenen) zu begegnen, für die Pubertierenden sehr heilsam: das Unfertigkeits-Syndrom wird am einfachsten geheilt wenn man erkennt, dass es allen anderen auch nicht anders geht, und wenn man erfährt, dass die anderen die eigene »Unfertigkeit« als Selbstverständlichkeit registrieren und akzeptieren. Diese Therapie versagt natürlich dann, wenn der/die Betroffene sich weigert, überhaupt zum Naturistenstrand mitzukommen - dann wird es halt etwas länger dauern, bis sich die »Nacktangst« wieder verwächst. 

Eine einsame Badehose unter lauter Nackten kommt sich irgendwann albern vor.
Eine einsame Badehose unter lauter Nackten kommt sich irgendwann albern vor.

Das Kleinheits-Syndrom

Sigmund Freud hat aus seinen psychiatrischen Analysen die Erkenntnis gewonnen, dass praktisch jeder Junge unter dem »Kleinheits-Syndrom« leidet: Normalerweise sehen Kinder gelegentlich oder auch häufiger ihre Eltern nackt. Meist schon lange vor der Pubertät fragt sich dann jeder Junge: "Ob mein Penis auch einmal so groß wird wie der des Papa?"

Dabei sind solche Fragen leicht beantwortbar: Jungen, die am Naturistenstrand ständig Nackten jeden Alters (einschließlich ihres eigenen) begegnen, kennen solche Sorgen nicht. Sie sehen und erkennen von klein auf, dass alle möglichen Größen und Formen in allen Altersklassen vorkommen und der Wachstumsschub in der Pubertät irgendwann kommt: Nacktsein ist heilsam und allemal besser als verstecken und heimlichtun.
 

Erektions-Angst

Eine der verständlichsten Reaktionen auf die Eigenwilligkeiten der Natur ist die Angst der Jungs, im unpassenden Augenblick - vor aller Augen - eine Erektion zu bekommen. Sie erleben vor und besonders in der Pubertät, dass Erektionen manchmal spontan eintreten und nicht recht steuerbar sind (sie werden ja vom Stammhirn ausgelöst, und das lässt sich vom Großhirn, also vom Bewusstsein, nicht beeinflussen). Deshalb sind Jungs oft froh, wenn sie ihre Erektionen in möglichst weit geschnittenen Badeshorts verstecken können. Jungs haben nun einmal den anatomischen Nachteil, dass ihre Erektion für jedermann sichtbar erscheint - im Gegensatz zu Mädchen, bei denen dasselbe ziemlich unbeobachtbar abläuft.

Jungs bevorzugen oft möglichst weite Badeshorts.
Jungs bevorzugen oft möglichst weite Badeshorts.

 

Dabei ist auch dieses Problem nur eine Frage der Gewohnheit: Jeder FKK-Anfänger wird spätestens nach einer halben Stunde am FKK-Strand das nackte Miteinander als so normal und natürlich empfinden, dass erotisch ausgelöste Reaktionen praktisch gar nicht vorkommen. Und wenn doch einmal eine Erektion eintritt, dann wird der Betroffene entsprechend (im wahrsten Sinn des Wortes) zurückhaltend damit umgehen und kann dann auch auf das Verständnis und die Toleranz seiner Mitmenschen rechnen - wenn das Ereignis überhaupt irgend jemandes Beachtung findet. Schließlich ist eine Erektion ein genauso normales und natürliches Geschehen wie Husten oder Niesen, und sie klingt nach kurzer Zeit einfach wieder ab.


Doch eines ist sicher: Das innere Gefüge junger Menschen ist in der Pubertät labil, der Weg von der verloren gehenden, kindlichen Unbekümmertheit führt nur langsam zur Ausbildung einer stabilen Erwachsenen-Selbstsicherheit. Aber auch in dieser für die Jugendlichen - und Eltern - nicht einfachen Zeit kann die Botschaft nur lauten:

 

Hinein ins Paradies, die nackte Freiheit ruft!

Raus in die Natur!
Raus in die Natur!

Ob und wann er/sie die Botschaft annimmt, muss der/die Jugendliche selbst entscheiden, und wahrscheinlich tut er/sie es heute mal so und morgen mal anders. Warum auch nicht? Zeiten der Wandlung sind Zeiten der Neuorientierung. Und da muss jeder seinen eigenen Weg gehen.

 

Text-Copyright © by Helmut Schultze